9783462050394

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Verlagsseite zum Buch
256 Seiten
Taschenbuch :
ISBN 978-3-462-05039-4
E-Book:
ISBN 978-3-462-31511-0

Inhalt:

Von Bewunderung, Liebe und dem aufkommenden Nationalismus

In den frühen 1930er Jahren ist Lionel Kupfer noch ein gefeierter Star des deutschen Kinos. Er zieht sich in ein nobles Hotel in der Schweiz zurück, um sich auf seine nächste Filmrolle vorzubereiten. Bald muss er jedoch feststellen, dass seine jüdischen Wurzeln seiner weiteren Karriere im Wege stehen. Er denkt an seinen Liebhaber Eduard, der Kontakt zu den Nazis hat und trifft auf Walter, einen Postbeamten, der ihn zutiefst bewundert und sich unerkannt unter die Gäste des Hotelrestaurants mischt. Kupfer lässt Europa, nicht jedoch seine Vergangenheit hinter sich.

Leseeindruck:

Ruhig erzählt mit Fokus auf die Charaktere

Ich liebe es, wenn die Figuren den Mittelpunkt eines Buches bilden und viel Raum haben, um ihre Persönlichkeit zu entfalten. So ist es bei „Postskriptum“. Alain Claude Sulzer lässt sich Zeit, um in die Seele seines Protagonisten zu blicken – und in die der Menschen, die seinen Weg kreuzen. Da wäre etwa Kupfers Bewunderer Walter, der nach Höherem strebt und sich für seine einfache Herkunft schämt. Entsprechend unglücklich ist er, als seine Mutter Theres, die weder lesen noch schreiben kann, plötzlich in Sils Maria auftaucht, um im Hotel Waldhaus zu arbeiten.

Die Konflikte, die sich aus dieser Konstellation ergeben, werden selten offen ausgetragen, sie spielen sich oft im Inneren ab. Das ist authentisch, da es dem Wesen der Figuren entspricht. Auch im realen Leben werden schließlich nicht alle Unstimmigkeiten mit einem guten Gespräch aus dem Weg geräumt. Das wäre zwar meist die beste Lösung, aber Menschen sind nicht perfekt, und die Figuren in „Postskriptum“ sind es auch nicht. Es ist eine Geschichte über unausgesprochene Vorwürfe, Missverständnisse und Veränderungen.

Die Nazizeit prägt Kupfers Leben und wird auch nicht beschönigt, spielt aber dennoch keine zentrale Rolle. Sein Karriereknick hat mit Kupfers jüdischer Herkunft zu tun, andere Ereignisse stehen jedoch in keinem Zusammenhang damit. Das sagt mir sehr zu, da seine Persönlichkeit so nicht auf seine Religion oder Volkszugehörigkeit reduziert, sondern in all ihren Facetten betrachtet wird.

Fazit:

Angenehm unaufgeregte Einblicke in das Schicksal und die Seele der Figuren

Wer in einem Buch viel Action und große Dramen braucht, wird mit Alain Claude Sulzer vermutlich nicht glücklich. „Postskriptum“ ist keine aufgeregte, sondern eine im besten Sinne stille Geschichte, in deren Zentrum vielschichtige und hervorragend gezeichnete Charaktere stehen.

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Begeisterung

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